Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI)

Interview mit Didem Karabulut, Vorsitzende des Integrationsbeirates der Stadt Augsburg

Das Interview mit Didem Karabulut finden Sie im Augsburger Magazin Meine Innenstadt, Heft 2 – 2020, S. 6.

 

Didem Laçin Karabulut

Frau Karabulut, was bedeutet Integration in Augsburg für Sie?

Migration und Integration sind wesentlich für unsere Stadtentwicklung. Entwicklung bedeutet zugleich auch Bewegung, Prosperität, ein stetiges neu Aushandeln und Austauschen. In Bewegung bleiben heißt Leben. Für Augsburg als Wasserstadt wähle ich das Element Wasser, weil ich daran zeigen kann, warum in Bewegung bleiben gut ist. Wenn das Wasser nicht fließt, so fängt es an zu stinken und zu gären, wird modrig. Dies bedeutet Stillstand und Austrocknen. Wenn das Wasser aber stetig fließt, durch neues Wasser mit neuen Mineralien gespeist wird, sich zu einem gemeinsamen Strom verbindet – genauso wie die zahlreichen Kanäle Augsburgs – bleibt es vital und frisch. Wir sehen, spüren und schmecken in Augsburg mit über 46 % Bevölkerungsanteil mit Migrationserfahrung die zunehmende Globalisierung und die transnationale Vernetzung.

 

Welche Rolle spielt eine angemessene Terminologie für Ihre Arbeit?

Ich bin eine Freundin der klaren Definitionen von Begrifflichkeiten, denn Sprache determiniert unser Denken, unsere Wahrnehmung und schließlich unser Handeln. Was bedeutet Integration? Wie wir Integration als Stadtgesellschaft und als Politik definieren, so stellt sie entweder ein Hindernis oder eine Herausforderung und eine Chance dar. Letztendlich geht es darum solidarisch in Vielfalt vereint zu sein.

Welches sind die wichtigsten Ziele des Beirates?

Da wäre an erster Stelle die Antidiskriminierungsarbeit zu nennen. Wir haben alle Kräfte mobilisiert, damit hier in der Stadt eine Antidiskriminierungsstelle etabliert wird. Eine Anlaufstelle für alle. Damit niemand mit Diskriminierung jeglicher Art alleine hilflos dasteht und nicht weiß, wohin er sich wenden kann. Wir sind stolz, dass die Augsburger Politik einstimmig dieses Vorhaben beschlossen hat.

Gibt es auch Ziele, die Ihnen persönlich sehr am Herzen liegen?

Ich möchte mit altbackenen Bildern über Zugewanderte brechen. Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund sind unauffällig und die meisten werden trotz oberflächlicher Unterschiede kaum als Migrant*innen wahrgenommen. Die meisten sind absolut integriert und wiederum definieren sich viele (sogar) als Deutsche mit Migrations-BONUS. Ein nicht geringer Teil der Zugewanderten bringt hervorragende Qualifikationen mit in die Stadt. Aber genauso muss sich auch das Bild von vielen Migrant*innen gegenüber Deutschen ändern. Man redet beispielsweise immer über die türkische Gastfreundschaft. Das mag stimmen. Aber genauso stimmt es auch, dass Deutsche gastfreundlich sind. Die Menge an servierten Süßigkeiten ist nicht das Maß der Gastfreundschaft, sondern die Herzlichkeit. Und davon haben Augsburger*innen – nach schwäbischer Tradition auf den zweiten Blick – sehr viel. Alle Augsburger*innen sind deshalb herzlich eingeladen, an den Veranstaltungen des Integrationsrates teilzunehmen.