Rückblick auf die Abschlussveranstaltung von „KommPAktiv“: Kommunalpolitische Teilhabe im Wandel und Visionen für die Zukunft

Sonntag, den 12. Juni 2022, Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.  (Hermann-Blankensteinstr. 30 | 10249 Berlin)

Beginn: 12 Uhr

 

 

“Kommunale Ausländer-, Integrations- und Migrationsbeiräte qualifizieren – Demokratie stärken”: Seit 11 Monaten verfolgt unser Projekt KommPAktiv dieses Ziel mit Seminaren, Workshops und Podiumsdiskussion für Mitglieder der kommunalen Migrations-, Integrations- und Ausländerbeiräte in den Modellregionen Berlin, Hessen und Thüringen.

Mit einem intensiven und vielseitigen Wochenende in Berlin geht das Projekt nun zu Ende: Am Sonntag, den 12. Juni, brachten wir in einer Abschlussveranstaltung aktive Politikschaffende und politisch Interessierte aus allen Modellregionen zusammen und diskutierten unter dem Motto “Kommunalpolitische Teilhabe im Wandel: Visionen für die Zukunft”. Mit dabei waren neben Jian Omar MdA (Bündnis 90/Grüne),  Elif Eralp MdA (die Linke), Ana-Maria Trăsnea (SPD, Staatssekretärin für Engagement-, Demokratieförderung und Internationales) und Kirstin von Graefe (Referentin Thüringer Agentur Für Fachkräftegewinnung, ThAFF) auch Mitglieder der Beiräte der drei Modellregionen und der Vorstand des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats.

In seinem Grußwort erinnerte Memet Kilic, Vorsitzender des BZI, zu Beginn der Abschlussveranstaltung, zunächst an die Wichtigkeit der Beiräte, die in der Vergangenheit zwar “dynamische Entwicklungen und großen Wandel” angestoßen hätten – jedoch nach wie vor um die nötige institutionelle Förderung kämpfen müssten. KommPaktiv sei dabei eine Blaupause, jedoch wäre es “wünschenswert, dass solche Maßnahmen fest in der Struktur der Kommunen verankert werden”.

Nach der Begrüßung stellten die Projektleiter*innen Dr.in Dorothea Fuhr und Viktor Vincze den Abschlussbericht vor. In den Zahlen zeigte sich der große Zuspruch zu den angebotenen Seminare und Veranstaltungen: Insgesamt wurden durch KommPAktiv mehr als 340 politische aktive Menschen geschult, gefördert und empowered, u.a. zu den Themen “Medien- und Öffentlichkeitsarbeit”, “Selbst- und Zeitmanagament und “Gremienrechte und wichtigste Regelwerke”. Die begeisterten Teilnehmenden kamen alsdann auch zu Wort und gaben eigene Testimonials von besuchten Seminaren.

Gleich zu Beginn der anschließenden Podiumsdiskussion machte Elif Eralp klar, dass Migration eine “umumkehrbare Realität”, die sich auch in der Politik widerspiegeln sollte. Dies sei aktuell noch nicht der Fall! Kirsten von Graefe betonte, dass es für positive Entwicklungen einen “Mentalitätswechsel” geben muss: Dazu müsse sich etwas an der Einstellung der Gesellschaft ändern, aber auch an Formalitäten. Beiräte sollten fester Bestandteil von Tagesordnungen in der Politik werden.

Ana-Maria Trasnea blickt auf ihre eigene Erfahrung in der Kommunalpolitik zurück und stellt fest, wie wichtig es sei, für die Anliegen sogenannte “Allys”, also Verbündete, zu finden. “Dies sollte in einer postmigrantischen Gesellschaft die Norm sein”. Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass eingewanderte oder geflüchtete Menschen sich fragen: “Interessiert sich die Politik überhaupt für mich und meine Belange?” Jian Omar ergänzt, dass es wichtig sei, “das System Politik für alle verständlich zu machen und Mehrsprachigkeit zuzulassen”.

Aber auch das Publikum füllte die Diskussion mit Leben: Viele der Anwesenden brachten ihre Sichtweisen und Erfahrungen aus der praktischen Beiratsarbeit ein. Dabei stoßen die Beiräte in den drei Modellregionen auf unterschiedliche Herausforderungen: Besonders viel Applaus gab es für den Kommentar, dass es insbesondere für die Thüringen Beiräte an Anerkennung fehle (Ayman Qasarwa, Vorstandsvorsitzender | Ausländerbeirat Weimar). Eine weitere wichtige Feststellung, die auf viel Zustimmung stieß: “Gute Beiräte zeichnen sich dadurch aus, dass sie unbequem werden.” (Didem Karabulut, BZI-Vorstand und Vorsitzende des Integrationsausschusses Augsburg).

Alle Podiumsgäst*innen appellierten an die Teilnehmenden, an sich zu glauben und mutig auf Politiker*innen zuzugehen – Sprachbarrieren sollten und dürfen dabei nicht im Wege stehen. Andersrum nehmen auch die Berufspolitiker*innen ihre Hausaufgaben mit: Elif Eralp möchte bspw. die Stellungnahmen der Beiräte im Abgeordnetenhaus stärker einbringen.

Dass Teilnehmenden und Berufspolitiker*innen viele gemeinsame Ziele und Visionen verbinden – und es hingegen wenig Barrieren gibt, zeigte sich beim anschließenden lockeren Get-together, bei dem – begleitet von einem Catering – ein persönlicherer Austausch möglich war.

“Voller Emotionen und Gedanken” (Gilda Sahebi) lassen wir die Abschlussveranstaltung hinter uns und freuen uns, dass die anwesenden Politiker*innen als auch Gäst*innen der Veranstaltung wichtige Impulse mitgenommen haben.

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Wir freuen uns sehr, dass Reem Alabali-Radovan, Staatsministerin beim Bundeskanzler, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Förderin des Projekts, nachträglich ein Grußwort an die Veranstaltungsbesucher*innen und das Projekt richtet. 

Für das Video und einen ausführlichen Beitrag dazu geht es hier zur KommPAktiv-Website. 

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Bereits im Vorfeld, am Samstag, den 11. Juni,  trafen sich Beiratsmitglieder aus allen Modellregionen in der Bundesvereinigung der Lebenshilfe in Berlin. Im Rahmen des “Rhetorik Workshop für Podiumsdiskussionen und Interviews” beschäftigen sie sich einen Tag lang mit Strategien und Tricks rhetorischer Fertigkeiten in Theorie und Praxis. Den Abend ließen die Teilnehmenden gemeinsam mit dem BZI-Vorstand bei einer gemeinsamen Spreefahrt ausklingen.