Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI)

Wir sind systemrelevant! Mehr Chancen und Wertschätzung für Migrant*innen auf dem Arbeitsmarkt

Zum Tag der Arbeit, am 1.Mai 2021, erklärt Memet Kilic, Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats (BZI):

„Den diesjährigen Tag der Arbeit begehen Millionen von Beschäftigte pandemiebedingt erneut weitestgehend im digitalen Raum, etwa bei virtuellen Versammlungen. Dass aber Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt und Forderungen von Arbeitnehmer*innen nicht auf den Straßen hörbar und sichtbar werden, darf die Politik nicht davon abhalten, ihre Verantwortung gegenüber Beschäftigten wahrzunehmen. Besonders deutlich zeigten sich in der Pandemie die Ungleichheiten und Spaltungen am Arbeitsmarkt. Vor allem den Menschen, die in systemrelevanten Berufen tätig sind, hat die Pandemie viel abverlangt.

Es gibt Handlungsbedarf: Die Politik muss Arbeitnehmer*innen mit einem Plan für nachhaltig bessere Arbeitskonditionen überzeugen – insbesondere jetzt, wo Ausnahmesituationen im Gesundheitswesen zur Regel geworden sind und wieder drastischere Maßnahmen für den Einzelhandel einkehren.

Das vergangene Jahr mit der Pandemie zeigte, dass das geistige Auge in öffentlichen Debatten blind für die tragende Funktion von Migrant*innen und ausländischen Arbeitnehmer*innen – insbesondere Frauen – in systemrelevanten Jobs ist. Sie arbeiten in unsicheren Arbeitsverhältnissen für wenig Lohn. Doch gerade sie sind die Helden und Heldinnen unserer Zeit: in den Krankenhäusern, im Einzelhandel, in der Logistik und in städtischen Versorgungsdiensten, also überall dort, wo die Arbeit nicht im Homeoffice erledigt werden kann. Seit Beginn der Pandemie hat sich wenig dahingehend getan, ihre Arbeitskonditionen aufzubessern und damit ihre Leistungen anzuerkennen.

Auch ohne die Corona-Krise, hatten Beschäftigte mit migrantischen und ausländischen Hintergrund nicht die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das aktuelle Integrationsmonitoring der Bundesintegrationsbeauftragten stellt fest, dass gerade diese Beschäftigtengruppe zwar, sofern sie trotz Diskriminierung und Rassismus auf dem Arbeitsmarkt eine Anstellung finden, nicht seltener in unbefristeten Arbeitsverhältnissen arbeitet, dafür aber häufiger überqualifiziert für die ausgeübten Tätigkeiten ist sowie im Schnitt weniger verdient als ihre nicht migrantischen/ausländischen Kolleg*innen.

Am Tag des Arbeitnehmer*innenkampfs fordert der BZI deshalb, umfassende und wagemutige Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt, die Ungleichheiten und Rassismus wirksam bekämpfen. Denn der Applaus aus dem Fenster, ist zwar ein Zeichen der Wertschätzung aber keines, mit der sich die Miete zahlen lässt.