Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI)

PM: Zur Deutschpflicht auf dem Schulhof

BZI Vorsitz Kilic „Der Schulhof ist ein Spiegelbild unserer vielfältigen Gesellschaft, alles andere ist eine Integrationsverweigerung!“

Zum Vorstoß, eine Deutschpflicht auf dem Schulhof einzuführen, zeigt sich Memet Kilic, Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats (BZI), irritiert:

„Der Vorschlag, Schüler*innen auf dem Schulhof dazu zu verpflichten, Deutsch zu sprechen, geht an der Realität unserer vielfältigen Gesellschaft vorbei. Er stigmatisiert insbesondere Kinder und Jugendliche mit nicht-westeuropäischem Migrationshintergrund, denn jede*r weiß, dass in diesem Vorstoß kein Verbot von Französisch oder Englisch auf dem Pausenhof gemeint ist. Der Schulhof ist ein Spiegelbild unserer vielfältigen Gesellschaft, daher ist es selbstverständlich, dass dort auch eine Sprachenvielfalt herrscht. Wer die Vielfalt im Einwanderungsland Deutschland verkennt, begeht eine Integrationsverweigerung“

Weiterhin stellt Kilic fest: „Bildung ist entscheidend für die Chancengleichheit, und gute Deutschkenntnisse sind hierfür unerlässlich.“ Er fügt jedoch hinzu: „Das Problem liegt nicht in der gesprochenen Sprache in der Pause, sondern im Klassenzimmer, wo Lehrkräfte fehlen, und im Bildungssystem, in dem die Herkunft, der Geldbeutel oder der Uni-Abschluss der Eltern über den Erfolg der Kinder und Jugendlichen entscheiden. Mehrere Studien und der Lagebericht der Bundesregierung zu Rassismus zeigen, dass diese Mängel im Bildungssystem vor allem Menschen mit Migrationshintergrund schwer treffen.“

Der Vorsitzender des BZI plädiert dafür, die Ursachen gesellschaftspolitischer Probleme anzugehen, ohne dabei bestimmte Bevölkerungsgruppen zu stigmatisieren: „Bildungs- und Gesellschaftspolitik beeinflussen sich gegenseitig. Hier ist es wichtig, nicht nur bei der Schulpolitik anzusetzen, sondern politische Teilhabe und Chancengleichheit von der Kita bis zur Berufsausbildung zu gewährleisten. Dafür muss man die Zugangshürden für Betroffene aus einkommensschwachen Familien und Familien mit Migrationshintergrund beseitigen.“

Memet Kilic kritisiert außerdem die Rhetorik aktueller Debatten aus bestimmten politischen Lagern: „Die politisch-konservative Rhetorik bedient sich in letzter Zeit stärker aus dem ‚anti-migrantischen‘ Glossar  und deutet mit dem Zeigefinger auf bestimmte Migrant*innengruppen. Dabei handelt es sich angesichts der bevorstehenden Neuwahlen in Berlin um ein Angeln nach Wähler*innenstimmen auf dem Rücken von Migrant*innen.“